Montag, 06.09.2010

Aktuelles: Nachrichten von SJV und DJV

Meldung des SJV

Von Googlern und Twitterern: Die Tagung "Besser Online" auf dem Mainzer Lerchenberg

SJVler auf der Fachtagung "Besser Online 2009"

Wie können Journalisten und Verlage mit ihren Webangeboten besser punkten? Wo machen Bezahlmodelle Sinn? Was ist bei der Online-Recherche zu beachten? Solche Fragen standen zum fünften Mal bei "Besser Online" im Mittelpunkt, einer Spezialtagung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Dieses Jahr fand sie unter dem Motto "Klicks aus der Krise" in den Räumen des ZDF in Mainz statt. 300 Interessierte hatten sich angemeldet, fast doppelt so viele wie im Vorjahr (180). Für den Saarländischen Journalistenverband reisten fünf Mitglieder zum Lerchenberg.

Die Teilnehmer hatten die Wahl zwischen elf Workshops. Thematisch sortiert waren diese weitgehend nach Zukunftstrends, Internet-Auswirkungen auf das Rechercheverhalten und Web.2.0-Tendenzen. Den Einstieg bildete eine Fachdebatte über die Auswüchse der Suchmaschine Google. Wolfgang Sander-Beuermann (Projektleiter Suchmaschinenlabor Uni Hannover) plädierte dafür, auch weiterhin andere Suchhilfen wie Metager zu nutzen: "Man muss Nischen erhalten, damit das Rechercheverhalten nicht verloren geht." Björn Sievers von Focus Online sagte dazu: "Der Bürger in mir ist besorgt über Google, der Journalist in mir liebt es." Man dürfe sich keine Gedanken darüber machen, was mit seinen Daten geschehe.

Spannend gestaltete sich der Vortrag des freien Journalisten Albrecht Ude zum Thema "Überwachung und Datenschutz". Tenor: Vorsicht! Was an Überwachungsmaßnahmen technisch möglich und bezahlbar ist, wird auch praktiziert. Ude: "Das umschließt totale Internetüberwachung, Vorratsdaten- und Telefonnummerspeicherung sowie die Mailkontrolle." Zwar gab er Tipps, wie sich Journalisten gegen all das schützen können (Web: http://www.ude.de/seminar/091121-besser-sicher.pdf), doch lautete sein ernüchterndes Fazit: "Das Problem wird durch Schutzmaßnahmen nicht gelöst. Die Überwachung ist ein Angriff."

Kontrovers zu ging es auch im von Ude moderierten Workshop über Wikipedia. Es zeigte sich deutlich das Problem, dass Journalisten diese Internet-Plattform oft für die Recherche nutzen, die Macher für die Richtigkeit der Inhalte aber keine Gewähr übernehmen. So fand sich Referent Mathias Schindler (Wikimedia) in der Defensive, wenn Ude oder auch Teilnehmer ihn mit Beispielen für fehlerhafte Einträge oder gezielte Manipulationen (z.B. Wilhelm als elfter Vorname von Verteidigungsminister zu Guttenberg) konfrontierten.

Besonders viele Teilnehmer lauschten den Ausführungen von Katja Riefler (Trendscout) beim Workshop über Bezahlinhalte. In zehn nachvollziehbaren Thesen stellte sie den Ist-Zustand dar, lieferte aber nur bedingt Anhaltspunkte für Veränderungen. Das wenig überraschende Ergebnis: Im Netz Geld zu machen, ist schwer. Durch welche Modelle es gehen könnte, wusste Riefler auch nicht. Sie lieferte abstrakte Denkanstöße. Beschrieben Teilnehmer ihre Ideen für künftige Projekte, war ihre häufigste Antwort: "Probieren Sie es einfach mal aus." Einigkeit herrschte immerhin darüber, dass Nutzer im Internet für Texte nicht bezahlen, die sie sonst kostenlos bekommen. So gesehen sei online auch das falsche Medium für tagelang recherchierte Hintergrundgeschichten.

Erstmals begleitete Twitter die Teilnehmer auf Schritt und Tritt. Über einen Beamer wurden Nachrichten aller Gäste auf Twitterwalls in den Seminarräumen projiziert. So sah man stets, was in den anderen spannenden Vorträgen gerade geschah – aber auch, welche sinnlose Kommentare und Grüße mancher postete - die Kehrseite des Mediums.

Positiv herausstach am Ende die freie Journalistin Michaela Skott: Frech, lebhaft und knallhart moderierte sie die Abschlussrunde "Raus aus der Krise!". Bemängelt wurde in der Debatte vor allem, dass Medienunternehmen auf neue Trends wie Twitter planlos aufspringen. Dazu sagte Christoph Neuberger von der Uni Münster: "Das Konzept darüber fehlt." Robin Meyer-Lucht (Berlin Institute Carta) schilderte, dass die Arbeit heutiger Journalisten auf die "alten" Medien optimiert gewesen sei. "Wir müssen in diesem Punkt hinzulernen", ergänzte er. Ob das geklappt hat, soll bei "Besser Online 2010" in München erörtert werden.

Text & Foto: Eric Kolling

Mehr unter: http://djvbesseronline.wordpress.com

Fachtagung "Besser Online": Onliner sehen Krise als Chance des Journalismus

Mainz, 21.11.2009 - Mit neuen Impulsen und Ideen für den Online-Journalismus ging am heutigen Abend in Mainz die Tagung Besser Online des Deutschen Journalisten-Verbandes zu Ende. "Von Besser Online geht das Signal aus: Wer Online annimmt, sieht die augenblickliche Krise als Chance für den Journalismus", resümierte Thomas Mrazek, Vorsitzender des DJV-Fachausschusses Onlinejournalismus.

An der DJV-Tagung, die am Vormittag auf dem Gelände des ZDF in Mainz begann, nahmen knapp 300 Journalistinnen und Journalisten aus ganz Deutschland teil - so viele wie noch an keiner vorherigen Besser Online-Tagung. Auf dem Programm standen zwei Podiumsdiskussionen sowie zahlreiche Workshops und Präsentationen, die den Teilnehmern wichtige Praxistipps vermittelten. Während der gesamten Tagung wurden Diskussionsbeiträge und überwiegend positive Eindrücke intensiv über Twitter ausgetauscht.

Einen kritischen, aber differenzierten Blick warfen die Teilnehmer der Eröffnungsdiskussion am Vormittag auf den Suchmaschinenbetreiber Google. Positiv hervorgehoben wurden die vielfältigen Recherchemöglichkeiten über Google, als problematisch wurden die potentiellen Missbrauchsmöglichkeiten der "Datenkrake" gesehen. Unisono erteilten die Besser Online-Teilnehmer dem von den Verlegern geforderten Leistungsschutzrecht eine Absage. Als verzweifelter Versuch von Verlagsmanagern, die zu lange das Internet ignoriert hätten, wurde die Forderung nach gesetzlichem Schutz vielfach bezeichnet.

Unterschiedliche Antworten lieferten Workshops und Präsentationen der DJV-Tagung auf die Frage, ob und wie Onlinejournalisten mit paid content Erfolg haben können. Es hängt, so das Ergebnis, stark vom Themenangebot und vom Nutzen für die User ab, ob für Inhalte bezahlt wird.

Die DJV-Tagung Besser Online findet bereits seit fünf Jahren regelmäßig statt. Die Mainzer Veranstaltung wurde vom DJV-Fachausschuss Online in Kooperation mit den Landesverbänden Hessen und Rheinland-Pfalz durchgeführt.

Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Hendrik Zörner

 

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